2.3 Emotionale Hilfe

Kann umfassen:
- zuhören, wenn Samekh oder Qof was loswerden wollen
- versichern, dass ihr da seid um ihnen zu helfen
- den Hilfs-/Sicherheits-Plan mit ihnen durchgehen
- sie dazu ermuntern, um das zu bitten, was sie wollen
- ihnen helfen, ihre Gefühle in einem geschützten Raum auszudrücken

Emotionale Hilfe kann am besten von (a) guten Freund_innen geleistet werden oder (b), falls Samekh oder Qof isoliert sind und wenig gute Freund_innen haben, wenigstens von Menschen die gut mit Samekh oder Qof klar kommen. Die Person für emotionale Unterstützung (P-feU) kann die Person, der sie helfen soll, zwar auch dazu auffordern sich Sachen zu stellen, aber die Hauptaufgabe der P-feU ist es, Samekh oder Qof dabei zu helfen, sich sicher genug zu fühlen, das zu tun, was sie tun müssen, und ihre Erfahrungen in Therapie, Mediation, transformativer Hilfe, wie-ist-man-kein-gewaltätiges-Arschloch-Kursen usw. durchzuarbeiten. Auch wenn es schwierig sein kann, solltet ihr versuchen nett zu beiden zu sein, ohne damit ein ungutes und aggressives Verhalten zu entschuldigen oder die andere Seite zu verunglimpfen.

Wenn du die P-feU für Samekh bist, solltest du dich daran erinnern, wie kompliziert die Gefühlslage der Person momentan sein kann. Höchstwahrscheinlich gab es gute Dinge, derentwegen Samekh in der Beziehung geblieben ist und die Samekh wahrscheinlich vermisst, auch wenn dir nur erzählt wird, was für ein Arschloch die andere Person die letzten 6 Monate gewesen ist. Samekh ist vielleicht unsicher und will sich nur verkriechen und sich mit nichts auseinandersetzen. Teil deiner Aufgabe ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen und dabei zu helfen, über Bedürfnisse zu sprechen, falls diese von der Person nicht artikuliert werden können. Wenn Samekh Hilfe will ist es wichtig, dass Samekh die Person ist, die entscheidet, wie diese Hilfe aussieht. Triff also keine Entscheidungen für Samekh und drück Samekh auch nicht deine Meinung auf. Zu ihrem Selbststärkungsprozess gehört es auch, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

Als P-feU kannst du Personen dabei helfen, ihr Gefühlsleben zu betrachten und zu bearbeiten, ohne dass diese durch die hochkommenden Gefühle erschlagen werden. Du kannst mit ihnen abhängen, während sie emotionale Liegestütze machen, ihnen versichern, dass es völlig normal ist, sich gerade verrückt zu fühlen, und dabei helfen, herauszufinden welches Gefühl gerade dabei ist, an die Oberfläche zu kommen. Das ist nicht immer einfach und gut zu verstehen – manche Frauen neigen z.B. dazu, Wut mit Trauer oder Depression zu verdecken, und einige Männer verschleiern Angst und Trauer mit Wut. Ihr könnt Samekh und Qof verschiedene Umgangsweisen zum Umgang mit Emotionen vorschlagen und sehen was passiert.

Für Samekh und Qof:

Angst
⁃ sorg dafür, dass du nicht alleine bist
⁃ halte ein Tier (wenn es damit einverstanden ist) oder ein Stofftier im Arm
⁃ lass nachts ein Licht brennen/übernachte bei Freund_innen.
⁃ geh deinen Hilfs-Plan durch
⁃ schreib deine Gedanken und Gefühle auf
Trauer
⁃ weinen kann gut tun
⁃ nimm zur Kenntnis, dass du einen Verlust erlitten hast – selbst eine beschissene Beziehung zählt als Verlust
⁃ falls du Rituale magst, schaff dir welche, mit denen du dich von der anderen Person verabschiedest, oder schreib einen Brief, den du nicht abschickst
⁃ zeichne Bilder, male, schreib Gedichte

Wut
⁃ schlag auf Kissen oder einen Sandsack ein
⁃ geh joggen, schwimmen, klettern, seilspringen oder mach irgendwelche anderen schweren körperlichen Tätigkeiten (ohne dabei jemand anderen oder dich selbst zu verletzen)
⁃ zerschmeiß Glasflaschen, irgendwo, wo keine Wildschweinbabys reintapsen können
⁃ schrei/sing zur Musik deiner Lieblingsband

Depression
⁃ geh Containern/in den Wald/auf eine Party/Essen
⁃ bleib ruhig sitzen, aber nicht ewig
⁃ spring auf und zerbrich was

Für die P-feU

Du als P-feU solltest dir darüber im Klaren sein, dass die Person, die du unterstützt gerade eine sehr verletzliche Zeit durchlebt. Körperkontakt kann da besonders kompliziert sein. Selbst Dinge wie Umarmungen, Rücken streicheln, Hände halten, Kuscheln, die dir unbedenklich erscheinen, können schlechte Erinnerungen auslösen. Es kann sein, dass die Person getröstet werden will und gleichzeitig Panik davor hat, berührt zu werden. Deshalb frag nach, bevor du jemanden berührst.

Und während du und Samekh / Qof eine Menge emotionaler Arbeit leisten, könnte es sein, dass ihr versucht seid euch auf eine Art aufeinander einzulassen, mit der ihr euch später (oder früher) nicht mehr wohl fühlt. In solchen Fällen ist es nahezu unmöglich weiterhin als P-feU Hilfe zu leisten. Also seid vorsichtig und denkt nach bevor ihr was tut (Mehr über solche Reaktionen, siehe: 3.1 Wie ihr euch als unterstützende Personen um euch selbst kümmert, S. 44).