3. Rund um den Unterstützungsprozess: 3.1 Wie ihr euch als unterstützende Personen um euch selbst kümmert

Vorweg: wenn du ein/e Unterstützer_in wirst, übernimmst du eine verdammt große Verantwortung, die viel Zeit und Energie kostet. Wenn du also anfängst, dich gestresst zu fühlen, nimm dir eine Auszeit, um dich um dich selbst zu kümmern. Denk dran, dass du nicht perfekt bist und nicht dafür verantwortlich bist, Leben zu retten oder Leute davor zu bewahren, noch mehr kaputt zu gehen. Du bist da, um sie daran zu erinnern, wie gute, respektvolle Beziehungen aussehen können und um sie zu ermutigen, sich daran zu erinnern, wer sie sind und wer sie sein wollen. Fehler passieren dabei öfter, besonders wenn die Person, der du hilfst, nicht klar sagt, was sie will oder braucht – sei also nicht zu streng mit dir selbst.

Gewalt ist für alle Beteiligten eine traumatische Erfahrung, auch für die Menschen, die den betroffenen Personen helfen. Wenn du diese Arbeit übernimmst, achte darauf, dass du einen Raum hast, in dem du auf den Scheiß reagieren kannst, den du zu hören bekommst. Es ist in solchen Situationen am Besten, wenn du Distanz zu der Person bekommst, um die du dich kümmerst. Das gibt dir die Freiheit, auf das was du mitbekommst auf deine Art zu reagieren. Die Person, die du unterstützt, hat meist zuviel mit sich selbst zu tun, um dich in solchen Momenten unterstützen zu können (auch wenn sie es vielleicht gelegentlich zu schätzen weiß, dass dieser Kram auch andere Leute verrückt machen kann).

Eine Möglichkeit, das Gefühl der Überwältigung zu vermeiden, kann das Gespräch mit anderen Leuten aus den TTUs sein. Das kann auf einem Treffen (oder besser noch bei einem gemeinsamen Essen) passieren, bei dem alle zusammenkommen und miteinander reden. Es ist wichtig, dass du die anderen Leute des Teams anrufen kannst, wenn du dich überlastet fühlst und du nicht mehr in der Lage bist weiterzumachen. Das bedeutet auch, dass du weißt, wo deine eigenen Grenzen liegen und dass die anderen das auch wissen.

Eine besonders schwierige Phase, die du bewältigen musst, ist oft die Zeit nach der Unterstützungsarbeit. Es kann richtig beschissen sein, und die Helfenden können sich echt verarscht vorkommen, wenn sich das Paar entschließt, wieder zusammen zu kommen. Als helfende Person wirst du wahrscheinlich so viel über den Mist und die Frustrationen zu hören bekommen haben, dass dir nur die Trennung als sinnvolle Lösung erscheint. Beziehungen sind aber selten ausschließlich schlecht und die guten Dinge in einer Beziehung werden in den Erzählungen oft ausgelassen, besonders wenn eine Person Hilfe braucht. Um zu vermeiden, dass du nun durchdrehst und dir jeglicher Respekt vor deinen Freunden verloren geht, denk daran, dass der Prozess wichtiger ist bzw. war als das Ergebnis.

Wenn du das Gefühl hast, du wüsstest genau, was als Nächstes am Besten passieren sollte, baust du Druck auf und nimmst den Leuten, denen du helfen willst, ihre eigene Entscheidungsfähigkeit. Das kann Leute in einem Opferstatus gefangen halten, in dem sie sich machtlos fühlen. Und auch für die Helfenden ist es stressig, wenn ihr die Verantwortung für die Entscheidungen einer anderen Person tragen müsst. Im Endeffekt ermüdet euch das – und die andere Person wird nicht lernen, wirklich eigene Entscheidungen zu treffen. Das ist aber wichtig, damit die Leute in Zukunft bessere Beziehungen führen können, anstatt dieselbe Scheiße zu wiederholen.
Eine andere Situation, die oft vorkommt und die Trauma und Drama verursachen kann, ist die, wenn es zu sexueller Nähe zwischen dir und der Person kommt, der du hilfst. Wenn Leute aus beschissenen Situationen kommen, suchen sie oft nach Sicherheit und nach Bindungen mit anderen Personen. Das kann sie enorm verletzlich machen und dazu führen, dass sich die Person dir zuwendet, weil du eine Verbindung zu ihr aufgebaut hast. Sexuelle Intimität ist ein Weg eine Verbindung zu jemandem herzustellen, aber wenn du merkst, dass du entsprechende Gefühle bei dir bemerkst, halt dich zurück und warte bis die Person lang genug aus der Beziehung raus ist, um einen klaren Kopf zu haben und zu wissen, was sie in einer Beziehung mit dir will.