3.5 Alltägliches beschissenes Verhalten

Die meisten Formen körperlicher Misshandlung sind ziemlich leicht zu erkennen und als Gewalt zu definieren. Andere Formen von Gewalt sind schwieriger zu fassen. „Du bist verrückt“ zu sagen, kann genauso verletzend sein wie ein Schlag ins Gesicht, manchmal sogar schlimmer. Verbale, emotionale und sexuelle Misshandlung ist gewöhnlich schwerer zu erkennen, leichter zu entschuldigen und kann dich stärker durcheinander bringen. Wir haben hier eine Liste zusammengestellt, die Samekh und Qof (oder dem Rest von uns) dabei helfen soll, den Mist in einer Beziehung zu identifizieren. Das Komplizierte dabei ist, dass vieles von dem jeweiligen Kontext und der Interpretation abhängig ist. Rumschreien kann z.B. für einige Leute eine akzeptable Form der Kommunikation sein. Sich überall hin zu begleiten, ist für einige Menschen der Inbegriff einer liebevollen Beziehung. Dummerweise ist aber die Linie zwischen dem, was als „wahre Liebe“ verkauft wird und dem, was dazu dient, einen Menschen zu kontrollieren und einzuschüchtern, sehr dünn und verwischt leicht. Unterm Strich ist es so, dass wenn du dich unwohl fühlst, das ein sicheres Zeichen dafür ist, dass sich etwas ändern muss, egal ob du dich dazu entscheidest, das was geschehen ist als Misshandlung zu bezeichnen oder nicht. In einer Beziehung zu sein bedeutet nicht, dass die andere Person deine Gedanken lesen kann, oder dass sie womöglich alles genau so tun muss, wie du es gerne hättest. Es bedeutet aber, dass sie sich genug auf dich einlassen muss, um zuzuhören und gemeinsam Probleme zu lösen. Falls sie nicht in der Lage oder gewillt ist das auf sich zu nehmen, dann hat sie es wahrscheinlich nicht verdient mit dir abzuhängen. Diese Probleme können super kompliziert und schwer zu greifen sein, also, falls du dich verwirrt fühlst, lass dir von einem_einer guten Freund_in bei einem Reality-Check helfen.

Beispiele an denen man beschissenes Verhalten erkennt:

⁃ Rumschreien, Schubsen, Spucken, dich auf den Boden zu drücken
⁃ Dich überall hin begleiten
⁃ Entscheidungen für dich zu fällen
⁃ Dir zu sagen, dass du ein_e Versager_in, verrückt, dumm, oder eine Hure bist, dass keine_r sich für dich interessiert
⁃ Gemein zu deinen Kindern oder Haustieren zu sein
⁃ Sich zu weigern, Safer Sex zu praktizieren
⁃ Deine Fähigkeiten runter zu machen
⁃ Super eifersüchtig oder besitzergreifend zu sein
⁃ Ungewollte Geschenke machen
⁃ Dinge rumzuschmeißen und gegen die Wand zu schlagen
⁃ Sich über dich lustig zu machen oder dich zu demütigen
⁃ Psychospielchen zu spielen
⁃ Dauernd Versprechen nicht einzuhalten
⁃ Dich vor anderen zu kritisieren
⁃ Dir Irrationalität vorwerfen
⁃ Dich zu ignorieren oder dir Zuneigung zu entziehen
⁃ Dir zu sagen, was du anziehen sollst oder dein Äußeres zu kritisieren
⁃ Dich zum Sex zu nötigen
⁃ Sex mit dir zu haben, während du schläfst
⁃ Liebes-/Freundschaftsbeweise zu verlangen
⁃ Zu Verhindern, dass du schlafen, arbeiten oder lernen kannst
⁃ Dein Geld zu nehmen oder dich seine_ihre Schulden bezahlen zu lassen
⁃ Dich körperlich davon abzuhalten, zu gehen
⁃ Deine Sachen kaputt zu machen
⁃ Dich von Freund_innen und Familie zu isolieren
⁃ Gefährliches Fahrverhalten
⁃ Selbstmorddrohungen
⁃ Dir mit Abschiebung zu drohen
⁃ Dich nach einer Trennung zu belästigen
⁃ Dir das Gefühl zu geben, dieses Verhalten sei deine Schuld