Story # 2

Darren aus Sacramento zog in unser Haus. Wir waren mit ihm befreundet, aber
niemand kannte ihn wirklich gut. Kurz nachdem er eingezogen war, kam es zu
einer krassen Szene, die mit seiner Ex-Partnerin Velma zu tun hatte. Leute, die
etwas davon mitbekommen hatten, fingen an, Darren bei verschiedenen Veran-
staltungen zu ignorieren. Als es dann öffentlicher wurde, dass da irgendwas pas-
siert war, erzählte uns Darren, dass er in Sacramento einen schlimmen Streit mit
Velma gehabt hatte:
Während dieses Streits forderte er Velma dazu auf, zu verschwinden und als sie
das nicht tat, schlug er gegen eine Wand, brach sich dabei die Hand und schmiss
anschließend ein Fahrrad durch die Gegend. Sie verschwand und das war das
Ende ihrer Beziehung. Velma hatte zu der Zeit und auch schon vorher mit ver-
schiedenen Dingen zu kämpfen und Darren war nicht nur ihre RZB (Roman-
tische ZweierBeziehung) sondern auch sonst eine wichtige Stütze für sie gewesen.
Darren war wegen der aktuellen Situation und der Art, wie er gehandelt hatte
sehr aufgelöst. Er stimmte dem Vorschlag zu, ein Anti-Aggressions-Training zu
machen, sich weiter dazu beraten zu lassen und auch weiterhin mit uns zu bespre-
chen, wie es ihm geht.
Velma wollte keinen Kontakt mit Darren. Sie ging noch einen Schritt weiter, in-
dem sie ein Flugi machte, durch das sie Darren als sexistischen Gewalttäter outete
und seinen Ausschluss aus der Szene forderte. Velma und ihr Unterstützungskreis
waren sehr erbost darüber, dass wir uns weiterhin auf Darren einließen, aber sie
sprachen uns nicht direkt darauf an. Über die Gefühle der Gruppe hörten wir aus
5. Hand – wir würden „einem Gewalttäter in unserem sexistischen Schutzraum
Zuflucht gewähren“.
Wir organisierten ein Treffen zwischen Velma, ihrer Unterstüzungs-Gruppe und
unserem Wohnzusammenhang. Wir brachten unsere Unterstützung für Velma
und ihren Prozess zum Ausdruck, erklärten aber, dass es unserer Meinung nach
viele verschiedene Rollen gibt, die die Szene in solchen Situationen spielen sollte.
Wir glaubten, dass wir uns auf Darren einlassen müssten, um ihn dabei zu unter-
stützen, sein Verhalten zu verändern und zu verbessern. Velma war allerdings der
Meinung, dass wir gar nicht helfen würden, sondern auch noch zu ihrer schlechten
psychischen Verfassung beitragen würden.
Ich war besorgt darüber, dass Leute hinter Darrens Rücken einen Haufen Mist
erzählten, ohne irgendetwas zu tun, um die Situation zu verbessern und dann
auch noch behaupteten, sie würden Sexismus bekämpfen. Meiner Meinung nach
hat diese Art von Aktivismus die Situation für die direkt Beteiligten ziemlich er-
schwert.